Editorial der Ausgabe 2020/01
Da ist doch was gemacht worden...

Wenn man die ersten Modellvarianten von LGB mit heutigen vergleicht, fallt auf, dass an vielen Fahrzeugen über die Jahre Änderungen durchgeführt wurden. Das zeigt sich nicht nur in Details wie Fahrwerk oder Kupplung, das wirkte sich auch auf Farben, Detailreichtum oder Funktion aus. Schaut man bei LGB weit zurück, kann man dies schon bei den Anpassungen von Stainz 1 zu Stainz 2 erkennen. Hier wurden anfängliche Entwicklungsfehler korrigiert, auf die Verfügbarkeit von Bauelementen und wirtschaftlichere Produktionsweise Rucksicht genommen.

Spätestens nach der Übernahme durch Märklin hat sich an den älteren LGB-Modellen vieles getan. Das liegt nicht unbedingt daran, dass man es anders machen wollte, die Gründe sind vielschichtiger und oft auch außerhalb des Unternehmens zu suchen. Der Versuch, es jedem Anwender Recht zu machen und den Geschmack vermeintlicher Lobbyisten zu treffen, ist die eine Seite. Technische oder wirtschaftliche Überlegungen sind die andere.

So ist zum Beispiel die Anpassung der roten Farbe bei den HSB-Wagen auffällig. Das frühere helle Rot hat mit der Farbe des heutigen Vorbildes wenig gemeinsam. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der damals abgenommene Rotton tatsachlich so aussah. Rote Farbpigmente sind sehr UV-empfindlich und verblassen in der Sonne schnell. Was bleibt ist dann die berühmte gelbe Cola-Dose am Straßenrand. Ein weiterer Grund waren die in die Jahre gekommenen Formen, denen der Zahn der Zeit oder teilweise auch unsachgemäße Lagerung nicht unbedingt gut getan haben. Letztendlich ist es der Weiterentwicklung von Materialien und den Möglichkeiten der modernen Elektronik zu verdanken, dass auch unsichtbar eine große Wandlung stattgefunden hat.

Dieser Effekt ist nicht nur bei LGB, sondern auch bei den Mitbewerbern zuerkennen. So musste PIKO seit ihrem offiziellen Start auf der Gartenbahn – man hatte vorher schon für LGB und ToyTrain produziert – Änderungen an seinen Modellen vornehmen, da sich Elemente auf der Gartenbahn wenig gut bewahrten. Selbst beim kleinsten großen Hersteller Train Line haben einige Modelle bereits eine Geschichte. Hinter allen diesen Überlegungen steht eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Durch die Entwicklung und Innovationen halt man sich einfach gesagt die Möglichkeit offen, mit neuen Produkten oder Verbesserungen an bestehenden Produkten das berühmte Wachstum zu realisieren.

Die englischsprachige Abkürzung „SCAMPER“ beschreibt eine Methode zur systematischen Ideenfindung für die Weiterentwicklung bestehender Produkte. Diese sieben Punkte stehen bewusst eingesetzt oder manchmal auch aus dem Bauch heraus am Anfang des Prozesses.

1. Substitute: Welche Materialien können zur Optimierung ersetzt werden?
2. Combine: Kann das Produkt mit anderen kombiniert werden?
3. Adapt: Welche zusätzlichen Funktionen oder Elemente können ergänzt werden?
4. Modify: Welche Elemente können in Design, Farben oder Funktionen zur Wertsteigerung verändert werden?
5. Put to another use: Wie kann man das Produkt anders nutzen?
6. Eliminate: Welche Funktionen oder Elemente können unter Beibehaltung der Kernfunktion vereinfacht, reduziert oder entfernt werden?
7. Rearrange: Kann das Produkt neu aufgestellt werden?

Ob das nun unbedingt gut für das Produkt oder besser für den Geldbeutel des Herstellers ist, bleibt dahingestellt. Ein Blick auf die Produktpaletten der Hersteller zeigt jedoch, dass sich etwas ändert – und das ist gut so, denn sonst wurden wir immer noch mit der Stainz 1 mit „Heuler“-Motor auf der Gartenbahn unterwegs sein.

Ihr „volldampf“-Team

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