Editorial der Ausgabe 2018/01
50 Jahre LGB, 50 Jahre Gartenbahn?

1968 gilt landläufig als das Jahr der „sanften“ Rebellion. Wer sich heute als Kind der 68er bezeichnet, war irgendwo politisch aktiv und gegen die alten Strukturen. In jedem Fall haben sie daran mitgewirkt, die Gesellschaft zu verändern. Neben den Veränderungen in Medien, Kunst und Politik gab es 1968 aber auch eine kleine Revolution ganz anderer Art. Die kleine Stainz-Lokomotive – für damalige Verhältnisse eine riesige – erblickte das Licht der Welt. So mancher gestandene Modellbahner traute seinen Augen nicht: Was hatten die sich bei Lehman nur dabei gedacht?

Wo Detaillierung und Miniaturisierung immer neue Rekorde einfuhren, setzten Wolfgang und Eberhard Richter auf ein ganz anderes Pferd. Ihre Bahn war erstens groß und sollte zweitens wind- und wettertauglich sein. Anfangs belächelt, setzte sich die Gartenbahn aber schnell durch. Die 70er und 80er Jahre sind wohl als Hochzeit der LGB anzusehen. Danach geriet auch die Gartenbahn in den Strudel, der von den Veränderungen im Spielverhalten durch moderne Technik verursacht wurde. Unverwüstliche Qualität und viele hunderttausend verfügbare Altmodelle taten ihren Teil dazu.

In diesem Jahr feiert die Marke LGB also ihren 50. Geburtstag. Viele Events, von privaten Veranstaltern, Vereinen oder von „oberster Stelle“ aus dem Hause Märklin, werden dieses Ereignis begleiten. Als erstes sind hier die Ausstellung der Familie Franke in Lauta und die Märklin- Auftaktveranstaltung zu 50 Jahre LGB zu nennen. So feiern wir mit und freuen uns, dass unser Hobby nun mittlerweile die dritte Generation Gartenbahner erfreut.

Nicht wenige Hersteller versuchten damals, auf den neuen Zug aufzuspringen. Als Beispiel ist hier die Firma Mausolf zu nennen, die 1970 mit den Spuren I, 0 und sogar H0 in den Garten wollte.

Doch war da nicht schon vorher etwas? Die personenbefördernde Gartenbahn war schon seit langem bekannt. Diese hatte zwar mehr touristischen Charakter und ist weniger als Modellbahn zu sehen. Wenn wir uns an der Gartenbahn orientieren, wie wir sie heute kennen und betreiben, so darf man auch schon mal etwas weiter zurückschauen.

Wenn man das tut, landet man im Jahr 1929. Bekonscot Model Village& Railway, westlich von London, ist vermutlich die älteste Gartenbahn der Welt. Roland Callingham hat die Anlage in den 20er Jahren als Spielbahn für seine Kinder entworfen. Die Abmessungen der Fahrzeuge und Gleise ähnelten schon sehr dem heutigen Anspruch an die Spur „G“, sodass in den 70er Jahren der Umbau der Lokomotiven mit LGB-Getrieben und eine Neuverlegung der Strecke mit LGB-Gleisen den Fortbestand der Anlage bis heute sicherte. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.

Auch wenn „nur“ die Marke des ersten Serienherstellers und nicht die Gartenbahn selbst 50 wird, wir lassen uns das Feiern bestimmt nicht nehmen und freuen uns mit LGB über 50 Jahre Gartenbahn in der Nenngröße II auf IIm-Meterspurgleisen, auf denen alles fährt, was einen Radabstand von 45 Millimetern aufweist. Einfach „G“…

Ihr „volldampf“-Team

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