Editorial der Ausgabe 2016/04
Wo hört Patina auf und wo fängt Dreck an?

Wenn man sich die Szene anschaut, steht das Thema Schienenreinigung sehr hoch im Kurs. Abertausend Tipps und Tricks findet man in den gängigen Foren und Magazinen. Seltener hört man jedoch, dass jemand die Sauberkeit seiner Fahrzeuge bemängelt. Bei Innen-Fahrzeugen reicht der Griff zum Staubwedel. Das sieht im Garten aber anders aus. Da nun, zumindest für die Außenfahrer, die Winterpause ansteht, kann man sich ja schon mal Gedanken machen.

Oftmals sind nicht nur die Wagen im Sommer den Unwillen des Wetters ausgesetzt. Ausspritzendes Regenwasser saut die Fahrzeuge gleichmäßig mit gelöster Muttererde ein. Nicht nur Kinderhände hinterlassen Spuren, die man nicht gerne sieht, und herabtropfende Pflanzensäfte verkleben das Ganze zu einer widerspenstigen Patina.

Wo sich beim Vorbild ein ganzer Industriezweig gebildet hat, um die teuren Stücke in Schuss zu halten, muss man sich bei der heimischen Gartenbahn selbst seine Gedanken machen. Waschstraßen wären eine spieltechnisch interessante Lösung – jedoch eher die Ausnahme. Der normale Gartenbahner greift dann doch zu Wassereimer und Wurzelbürste. Doch Vorsicht: Kann da nichts kaputt gehen? Der Erfinder der LGB, die Firma Lehmann, hat an ihrem Firmensitz in Nürnberg jahrzehntelang mit einer dauerberegneten Stainz die Wetterfestigkeit beworben. Da sollte doch eigentlich nichts passieren…

Die Technik heutiger Gartenbahnfahrzeuge ist immer noch relativ robust. Je nach Hersteller gibt es Unterschiede im Material oder in der Detail-Stabilität. Dem Wetter trotzen sie jedoch fast alle. Ein Tauchbad im Wassereimer könnte jedoch das eine oder andere Fahrzeug übel nehmen. Es ist die eingebaute Elektronik, die neuerdings nicht nur in den Loks vor zuviel Feuchtigkeit zu schützen ist.

Wo früher ein paar Drähte und wenige äußerst robuste Elektronikbauteile etwas eindringender Feuchtigkeit gut trotzen konnten, reagiert die heutige Filigran- Elektronik recht ablehnend auf ein Wasserbad. Auch wenn es erst einmal gut gegangen ist, die fortschreitende Korrosion gibt den Bausteinen schnell den Rest. SMD-Elektronik und vielschichtige Leiterplatten sind kaum reparabel und lassen sich meistens nur noch austauschen.

Die Entscheidung, wie man die Säuberung am besten anfängt, lässt sich mit einem Blick unter das Fahrzeug klären. Gibt es Kabel, die vom Rad ins Innere führen, ist Vorsicht geboten und ein leicht feuchter Lappen die beste Wahl. Findet sich kein Kabel – hinein in die Badewanne und drauf mit der Wurzelbürste.

Für ängstliche Gartenbahner ein Tipp eines Kollegen: „Das ist der Zahn der Zeit, das ist Patina, natürliche Alterung, dafür bezahlen andere einen Menge Geld, das bleibt“!

Ihr „volldampf“-Team

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