Editorial der Ausgabe 2016/01
Meistens kommt es anders...

Kein rechter Winter bis anfang Januar, weder Schnee am Bernina noch auf dem Brocken. Was auf der einen Seite die Heizungsrechnung in lange nicht mehr dagewesene Tiefen treibt, konnte auf der anderen Seite das Gartenbahn- Budget merklich anheben. Endlich das nötige Kleingeld in der Tasche, aber keine neue Lok am Gartenbahnhorizont.

Als hätten sich die großen Hersteller abgesprochen: Piko hatte bereits im Oktober sein Pulver verschossen. Alle angekündigten Fahrzeuge hatten bereits den Weg in den Handel gefunden. Märklin tobte sich weiter bei kleinen Detailänderungen bereits lange vorhandener Fahrzeuge aus. Train Line hielt mit der angekündigten HSB-Pfiffi noch hinter dem Berg und von Pullman hörte man auch nicht viel.

Für viele von uns war dies ein Grund, sich wieder einmal beim Gartenbahnhändler sehen zu lassen. Man konnte ja mal schauen, was der so hat und statt der lang ersehnten Lok standen nun auf einmal ein paar neue Wagen, ein schönes Gebäude oder die längst überfällige Bogenweiche auf dem Gabentisch.

Auch bei den Kleinen ist die Modelleisenbahn kaum angekommen. Der Schalter dafür ist aber weniger bei den Kindern als vielmehr bei den Eltern zu suchen. Solange die den pädagogischen Wert eines Modellspielzeugs, gleich welcher Sorte, vor lauter Computer nicht mehr erkennen, wird das auch nichts. Ob das nun einfach nur Generationenkonflikte sind oder in Zukunft tiefgreifende Probleme daraus entstehen werden, können und möchten wir nicht beurteilen. Das sieht jedoch bei den Marketing-Strategen der großen Spielwarenhersteller etwas anders aus.

Die Kollegen von der Wirtschafts- Woche Online fragten sich, wie es mit der Modelleisenbahnromantik unterm Weihnachtsbaum aussah. Nach Geschmack von Märklin- Chef Florian Sieber war das viel zu selten der Fall. Absatz und Umsatz des schwäbischen Modelleisenbahn- Spezialisten entwickelten sich in diesem Jahr nicht so positiv wie geplant. „Wir werden unsere Ziele für das Geschäftsjahr 2015/2016 wohl nicht erreichen“, sagt Sieber im Gespräch mit den Kollegen. Man sei mit zu wenig „Marketingpower rangegangen“ analysiert er nüchtern und habe den Wettbewerb deshalb nicht so schnell verdrängt, wie gedacht. Eine Produkt- und Marketingoffensive, inklusive einer TV-Kampagne vor dem nächsten Weihnachtsfest soll dem Kinder- Sortiment 2016 auf die Sprünge helfen. „Wir geben im neuen Jahr richtig Gas“, verspricht Sieber.

Was die Hersteller uns gerne in die Feder diktieren und was am Jahresende davon übrig bleibt, steht zumeist auf zwei verschiedenen Seiten des Papiers. Nichtsdestotrotz haben wir das Gefühl, dass sich in den letzten drei Jahren etwas bewegt hat. Junge Familien finden wieder den Weg zum Modellspielzeug... aber warten wir´s ab... nicht immer kommt es anders als man denkt.

Ihr „volldampf“-Team

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