Editorial der Ausgabe 2015/03
Warten will gelernt sein...

Dass wir als Modellbahner mit dem Streik des großen Vorbilds in Deutschland in Berührung kommen, hätten wir uns auch nicht gedacht. Was war geschehen? Die Lokführer streikten, Kitas machten dicht, Pendler griffen, wo es ging aufs Auto zurück, das ganze Land verfiel in gequälte Hyperaktivität. Ruhig und gelassen blieben nur wenige, nämlich die Bahn und die Gewerkschaften. Viel Zeit ließ man sich, den anstehenden Disput zu klären oder gar auszusitzen.

Mit einiger Verwunderung war festzustellen, wie auf Bahnseite Kundenfreundlichkeit und informatives Entgegenkommen neu erlernt wurde. Die Bahnkunden stellten sich auf die neue Situation ein und nutzten die Möglichkeit der neuen Medien, um sich zu informieren. Nach wenigen Wochen Streik war er fast zur Nebensache geworden und nur noch in der Presse präsent.

Nun kann man nur hoffen, dass das Erlernte auf beiden Seiten etwas länger hält. Eine gewisse Gelassenheit ist gar nicht so schlecht, so wie man sie immer wieder bei unseren französischen Nachbarn erkennen kann – übrigens ein streikerprobtes Volk.

Auch wir von der „volldampf“ mussten erst lernen, mit dieser Situation umzugehen. Knapp kalkulierte Druck- und Versandtermine mit vorgeplantem Personaleinsatz lassen sich mit einem Streik so gar nicht vereinbaren. Auch wenn wir „just in Time“ fertig waren, stockte es bereits in der Druckerei. Das Papier war noch auf dem Weg und einige Kollegen standen im Stau. Ach ja, fast schon vergessen… die Postler hatten ja auch noch ein Hühnchen mit ihrem Dienstherren zu rupfen. „Last but not least“ lag die letzte „volldampf“ ganze fünf Tage später als geplant in Ihrem Briefkasten, was uns große Kopfschmerzen bereitete. Anscheinend haben Modellbahner und Franzosen jedoch viel gemeinsam. Kaum eine Nachfrage, wann denn das Magazin käme, erreichte uns. Vielmehr nutzten die Kollegen über alle Spurweiten das Thema für ein neues Detail auf der Modellbahn. Kurzerhand wurden die Preiserlein in kleine Müllsäcke gestopft und mit Plakaten gestückt. Doch wofür lohnt es sich in unserer kleinen, heilen Welt eigentlich zu demonstrieren?

Schauen wir lieber weiter auf die Vorbilder. In dieser Ausgabe der „volldampf“ finden Sie, wie in der Sommersaison üblich, eine ganze Reihe an Vorbildberichten. Neben den diversen Hauptdarstellern wie RhB und HSB, können wir dieses Mal auch einen Blick über den großen Ozean präsentieren. Die „volldampf “ war im Sommer dieses Jahres in den USA unterwegs, genauer gesagt in Colorado. Dort besuchten wir die 31. National Garden Railway Convention und im Anschluss zahlreiche Museumseisenbahnen in der näheren Umgebung.

Ihr „volldampf“-Team

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