Editorial der Ausgabe 2013/02
Weichen wieder mal neu gestellt...

Ende März wurde die endgültige Übernahme des Göppinger Modellbahn-Herstellers Märklin mit den Marken LGB und Trix durch die Fürther Simba Dickie Group offiziell verkündet. Eine rechtliche Prüfung durch das Bundeskartellamt steht zwar noch aus, aber man geht davon aus, dass der Übernahme nichts mehr im Wege steht.

Das Familienunternehmen Simba Dickie vereint von der Eichhorn-Holzbahn bis hin zu den BIG-Bobby-Cars aktuell 15 Marken unter einem Dach. Die Gruppe ist Deutschlands größter Spielwaren-Hersteller und hinter Mattel (USA) und Lego (Dänemark) der drittgrößte Spielzeug-Hersteller auf dem deutschen Markt. 2012 erzielte man mit 3.700 Beschäftigten einen Umsatz von 615 Millionen Euro, bei Märklin erwirtschafteten 1.000 Mitarbeiter in Göppingen und im ungarischen Györ rund 108 Millionen Euro.

Michael Sieber übernimmt mit der von ihm und seinem Sohn Florian gegründeten Sieber & Sohn GmbH & Co. KG den Modelleisenbahnhersteller Märklin. Alle offenen Verbindlichkeiten gegenüber Banken und anderen Gläubigern sollen beglichen werden, doch was heißt das im Klartext für die LGB?

Im Zuge der Übernahme ergänzt Florian Sieber die derzeitige Doppelspitze als dritter gleichberechtigter Geschäftsführer neben Wolfrad Bächle und Stefan Löbich. Sieber ist sich der Verantwortung seiner neuen Rolle bewusst. „Der Name Märklin ist Synonym für eine ganze Spielzeugkategorie und steht bereits seit 1859 für deutsche Spitzenqualität“, erklärt er. „Deshalb freue ich mich sehr, die Zukunft dieser Traditionsmarke mit einer über 150-jährigen Geschichte mitzugestalten.“ Im Fokus der zukünftigen Geschäftsstrategie sieht Sieber auch wieder Kinder und Jugendliche. Als Grundlage bestehen bereits die Linien „Märklin MyWorld“ und „LGB Toytrain“.

Laut Aussage der neuen Eigentümer sollen alle derzeitigen Arbeitsplätze an den beiden Märklin-Niederlassungen in Göppingen und Györ (Ungarn) erhalten bleiben, wobei der Stammsitz weiterhin das Zentrum für die Entwicklung und Fertigung bleiben soll. Mittelfristig sollen weitere Produktionslinien aus China zurück nach Europa geführt werden.

Das hört sich doch erst mal ganz gut an. Wenn man realistisch an die Sache herangeht, kann man sich aber durchaus fragen, was eine Unternehmensgruppe mit drei Chefs, zwei Firmenzentralen, zwei Entwicklungsabteilungen, zwei Produktionen und zwei Logistikbereichen will. Wie bei vielen Fusionen und Übernahmen wird es vermutlich auch hier auf lange Sicht zu Kürzungen kommen. Was auch immer die Gründe sind, erste Namen kann man bereits aus seinem LGB-Adressbuch streichen, neue werden dafür kommen.

Wenn man die Geschichte emotionslos betrachtet, bleibt ein Haufen insolvenzgeschüttelter aber guter Marken in den Händen eines kompetenten Verteilers. Es besteht die Hoffnung, dass die LGB wieder dort hinkommt, wo sie auch der Nachwuchs findet, in die Spielwarenläden. So wie Märklin die Gartenbahnhändler in letzter Zeit dazu genötigt hat, Komplettanbieter im Modellbahnbereich zu werden, so hat es die Simba Dickie Group in der Hand, das Angebot der Spielwarenläden zu verändern.

Ihr „volldampf“-Redaktionsteam

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