Editorial der Ausgabe 2011/02
Wie Bahn und Modellbahnbranche den Kunden aus den Augen verlieren

Wenn nicht gerade wieder die Lokführer streiken, kümmert die Bahn sich selbst um Verspätungen. Immer wieder schafft es unser großes Vorbild in die Schlagzeilen. Dass man aber die Fahrgäste von vornherein gleich wegplant, das ist neu.

Als das „größte bautechnische Wunder der Gegenwart“ wurde die Pionierleistung der Ingenieurbaukunst bei ihrer Eröffnung, noch unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke, gefeiert. Bis heute überspannt die höchste, kühnste und eleganteste Eisenbahnbrücke Deutschlands das mehr als hundert Meter tiefe Tal der Wupper. Die Rede ist von der Müngstener Brücke, wie sie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges heißt.

Bis zu ihrer aktuellen Instandsetzung passierte nur noch die Regionalbahn „Der Müngstener“ im Zwanzig-Minuten-Rhythmus die Stahlkonstruktion. Jetzt hat die Deutsche Bahn einen wahren Schildbürgerstreich vollbracht – und zwar durch einen Rechenfehler. Sie hatte der Aufsichtsbehörde aus Versehen Berechnungen mit leeren Zügen vorgelegt. Mit Passagieren wären die Regionalbahnen jetzt zehn Tonnen schwerer als erlaubt.

Gut, dass der normale Gartenbahner dazu neigt, seine eigenen Brückenkonstruktionen stabil zu proportionierten. Wer kennt sich schon mit Statik aus, da macht man lieber schon Mal eine Strebe mehr hinein…

Stabil gebaut hat auch Detlef Schlack. Im Bericht über die Senner Gartenbahn finden Sie bestimmt wieder viele Anregungen für Ihre eigenen Projekte. Wenn Sie höher hinaus wollen, schauen Sie wie Thomas Preisner seine Bahn aufgeständert hat.

Groß kündigte die LGB auf dem Märk-linstand in Nürnberg noch vor wenigen Wochen das neue Gartenbahnprogramm an. Für alle Geschmäcker sollte etwas dabei sein. Nun sieht es aber eher so aus, als dass die wegbrechende asiatische Produktion der kleinen Spuren und zu geringe Auftragszahlen, einige amerikanische Gartenbahnmodelle auf´s Abstellgleis schieben. Sehen Sie in unserer Übersicht, was den Weg zum Händler findet und was auf der Strecke bleibt.

Was Märklin sich sonst noch zum Wohle des Kunden ausgedacht hat, hinterließ bei uns doch Fragen. Als Ersatz werden in Zukunft nur noch Teile angeboten, „die für die Funktionalität unserer Modelle notwendig sind“. Das heißt, eine defekte Türe oder ein abgebrochenes Dampflokaggregat sind nicht mehr ersetzbar oder werden nur noch in einer neutralen Farbe angeboten. „Teile die vom Kunden nicht montiert werden können, werden nicht mehr angeboten“. Das soll in Zukunft das Märklin-Fachpersonal machen. Wohl dem, der einen gut ausgestatteten, fähigen Händler kennt.

Wer jetzt denkt: Hauptsache die Lok läuft, schaut ebenso dumm. Die restlichen LGB-Ersatzteile werden bei Märklin nur noch in Baugruppen bzw. in größeren Gebinden angeboten. Das heißt, wer ein Zahnrad braucht, muss das gesamte Getriebe kaufen und wer zwei Schienenschleifer benötigt, kauft gleich zwanzig Stück. „Um eine schnelle Versorgung des Endkunden sicher zu stellen“, wie Märklin es ausdrückt. Womit wir wieder beim kulanten Händler wären.

Doch zurück zum Inhalt. Wie wir Ihnen in der letzten Ausgabe der „volldampf“ ankündigten, finden sich in diesem Magazin eine große Auswahl an Bau- und Umbauberichten zu den verschiedensten Themen. Viele Gartenbahner verbringen die rauen Wintermonate im Bastelkeller und zeigen uns mit dem Beginn der Saison, worauf sie wahrlich stolz sein können.

Ihr „volldampf “-Redaktionsteam

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