Editorial der Ausgabe 2009/02
Märklin schaufelt sich eigenes Grab

Nicht nur, dass seit Wochen keinerlei Informationen an den Handel weitergegeben werden, sondern es werden auch noch die für das Fortbestehen des Vertriebs, wichtigen Händler ausgebootet. „Aus dem Internet und von Kunden erfahren wir, dass wir keine LGB-Händler mehr sind“. Mit diesen Tatsachen wandten sich einige Händler an die Redaktion. War es in der letzten Zeit doch so, dass einige Händler bevorzugt wurden, Auslaufwaren, Ersatzteile und wichtige Informationen zugeschustert bekamen, und somit ihren Umsatz steigern konnten, wird nun die „Sauerei“ auf die Spitze getrieben. Denn genau dieser Umsatz ist offensichtlich nun die Marke zur Ernennung zum LGB-Händler. Den Endkunden berührt das erst mal nicht, doch wird er spätestens dann damit konfrontiert, wenn die „ausgewählten“ Händler erst ihre erhöhten Preise weitergeben oder plötzlich die Produktion von LGB-Artikeln wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt wird.

Was ist geschehen? Seit kurzem hat Märklin die LGB auf die Homepage gesetzt. Zwar recht stiefmütterlich, aber immerhin. Eine Frühjahrsaktion ist hier angekündigt, wobei der Kunde eine aktuelle Schaufensterdekoration betrachten kann. Nur, genau so lieblos, wie die Aktion im Internet gestaltet wurde, genau so werden auch die Fachhändler behandelt. Eine Handvoll LGB-Fachgeschäfte stehen hier auf einer Liste, alle Anderen wurden weder über die Aktion, noch über das Ende der Geschäftsbeziehungen zu Märklin informiert. So wie es aussieht, wurden nach Umsatz Händler ausgesucht und als „Stammhändler“ benannt. Natürlich völlig egal, ob einige dieser Händler durch Verschleudern der LGB-Artikel das Niveau der Marke kaputt gemacht haben. Das ist der Tod eines jeden Herstellers, für den nur der Umsatz im Moment zählt. Durch nun die dritte Insolvenz haben viele Händler, LGB aus dem Programm genommen, ihr Geschäft aufgegeben oder ebenfalls Insolvenz anmelden müssen.

Der Kunde beklagt sich, dass in manchen Regionen keine LGB mehr zu haben ist. Entfernungen sind für viele nicht mehr überwindbar und das Interesse geht verloren. Betrachtet man mal das Durchschnittsalter der LGB-Liebhaber, so wird man schnell feststellen, dass die ältere Generation sicherlich ¾ des Umsatzes bringen, da Zeit und Geld hier noch vorhanden ist. Bleibt nur noch das Internetgeschäft ohne Service und ohne persönlichen Kontakt, was die ältere LGB-Gemeinde verabscheut. Ob das so geplant ist und Märklin meint, damit die LGB aus der Krise zu führen? Mit Verlaub, haben die Verantwortlichen keine Ahnung. Schade muss man da sagen. Es tut schon verdammt weh, wenn man zusehen muss, dass die Herren, die mit solchen Aktionen, große Firmen in die Knie gezwungen haben, nun ganz legal der Tradition LGB den Todesstoß versetzen. Wie es mit LGB weiter geht, darüber braucht man nun nicht mehr nach zu denken. Ausgewählte Händler werden noch ein paar Wochen mit der LGB ihr Geschäft machen, bis dann endgültig die gute alte LGB-Bahn mit Füßen getreten wird und verschwunden ist. Fazit ist, dass wieder einige Händler das Handtuch werfen und Leute entlassen. Aber wer heißt schon Opel? In jedem Modellbahngeschäft, das schließt, sind es ja nur ein paar Arbeitnehmer, die Ihren Job verlieren. Sie glauben doch nicht etwa, dass das einen Politiker oder einen Manager von Märklin interessiert.

Wäre es nicht an der Zeit, dem Bürger mal etwas Optimismus zu vermitteln und die Finanzkrise etwas zu schwächen? Sind Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen nicht in der Lage in dieser Richtung zu berichten? Steigt der Optimismus steigt auch der Wille, wieder Geld auszugeben, Aufträge zu erteilen und die Wirtschaftskriese verliert ihre Schärfe. Aber offensichtlich ist die Schwarzmalerei gewollt. In jedem Fall muss man dem Volk ein schlechtes Gewissen einreden. Was die Medien berichten, wird geglaubt und die Politik hat uns da wo sie uns gut kontrollieren kann.

Verstärkt setzt der Handel noch auf Modellbaumessen, um den Kunden persönlich zu erreichen. Ebenso drängen immer mehr Besucher zu den Messen, weil immer mehr Fachhändler aus den Orten verschwinden. Die Faszination Modellbau Sinsheim verabschiedete sich nach 15 Jahren mit einem Besucherrekord (55.000), 380 Aussteller, Clubs und Vereine aus 12 Ländern vom Messestandort Sinsheim. Ab 2010 findet das Flaggschiff der Modellbaumessen der Messe Sinsheim GmbH in der Neuen Messe in Karlsruhe statt.

Die Dortmunder Modellbaumesse war ebenfalls recht gut besucht, allerdings war auch hier der Trend, billig, billig. Doch war nach Auskunft der Aussteller jeder zweite mit dem Geschäft zufrieden. Die Ziele waren nicht sehr hoch gesteckt, da man ja außer Finanzkrise nichts Anderes mehr hört. (sp)

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