Editorial der Ausgabe 2008/04
Zurück auf den Boden der Tatsachen

In den letzten Wochen haben sich einige Meinungen geändert, nicht nur im Modellbahnbereich. Die „Bankenkrise“ wird meines Erachtens künstlich hochgespielt. Nun haben die Medien wieder ein Thema, was auch den Normalbürger berührt, obwohl die wenigsten verstehen, was in diesen Regionen so ab geht. Aber egal, wenn es um das Ersparte geht, ist der kleine Mann hellhörig und interessiert, obwohl durch Kaufzurückhaltung und Unwissenheit alles nur noch schlimmer wird. In ein paar Wochen wird kein Fernsehbericht mehr von der Finanzkrise reden, obwohl sich nichts geändert hat, nur weil das Thema, lediglich langweilig geworden ist. Denken Sie an diese Zeilen. Einige Bankmanager verzocken die Milliarden. die ihnen nicht gehören und bekommen Vergütungen in Millionenhöhe. Nun ist das Geld verloren (es stellt sich heraus, dass fast jede Bank betroffen ist) und wieder muss der kleine Mann bluten. Das ist immer so und wird immer so bleiben, doch warum ist der kleine Bürger immer der geprügelte, der die Karre aus dem Dreck ziehen muss?

LGBoA, einst der starke Arm von LGB in Amerika, hatte sich umbenannt in „Silvergate“. Nach der Übernahme von LGB durch Märklin gab es einige Probleme – für beide Seiten –, wie nun die Rechte des LGB-Vertriebs aussehen sollten. Offensichtlich hat man sich jetzt zusammengerauft und einen gemeinsamen Nenner gefunden. Laut Presseberichte wurde die Zusammenarbeit von Märklin/LGB und Silvergate auf stabile Füße gestellt, jedoch auf Kosten der Fans amerikanischer LGB-Modelle.

5 Millionen jährlich ist ein Betrag, über den Märklin verfügen kann. Der einstige Geschäftsführer Axel Dietz hat die Firma verlassen (müssen). Die Position wird nicht mehr besetzt. Das hat man vorher nicht gewusst, dass man ohne „Milchmann“ auch Modellbahnen verkaufen kann? Nun, in den Chefetagen manch großer Modellbahnhersteller ist man offensichtlich der Meinung, dass der Modellbahner verpflichtet ist, das Hobby Eisenbahn zu betreiben und deswegen Modelle abnehmen muss. Erst wenn eine Geschäftsführung erkennt, dass man sich dauerhaft um Kunden bemühen muss, weil die Modellbahn ein Hobby ist, woran der Fan Spaß haben soll. Das das Modellbahnhobby nicht lebensnotwendig ist und der Kunde Fehlentscheidungen mit Kaufzurückhaltung bestraft, erst dann sind Manager mit Fingerspitzengefühl gefragt, und das nicht nur zum Geld zählen.

Leider ist es so, dass das Aus eines Herstellers oder Händlers immer durch Fehlentscheidungen geprägt ist. Tödlich ist es, den aktuellen Umsatz zu steigern und zu vergessen, dass der dadurch fehlende Umsatz in drei oder vier Jahren eventuell sehr wichtig ist für das Überleben. Eine handvoll Händler wird mit Ladenhütern und Restposten bedacht, die dann als Angebot verschleudert werden. Die anderen Händler bekommen nichts vom Kuchen und bleiben auf dem gleichen, teuer eingekauften Artikel sitzen. Der Frust spiegelt sich dann auch beim Umsatz des Herstellers wieder, wenn eine Anzahl Händler dort nur noch das nötigste bestellen oder den Artikel ganz aus dem Sortiment nehmen. Von fast allen Herstellern wird bemängelt, dass die Händler ihre Waren viel zu billig anbieten und teilweise verschleudern, doch wer macht es denn vor? Sollten sich die Verkaufsleiter und Geschäftsführer doch mal an die eigene Nase fassen. „Ist doch egal, ich habe in diesem Jahr meinen Umsatz gesteigert“ so die Aussagen dieser Herren. Doch was ist mit den Existenzen der Mitarbeiter, die zerstört werden, weil der Absatz sinkt und der „Laden“ einfach Pleite ist? Für ihr bestimmt nicht schlechtes Einkommen sollte man doch einmal versuchen, über den Tellerrand zu sehen. Das ablegen der Scheuklappen wäre ein Anfang und sehr wichtig zum Überleben der Modellbahnbranche.

Wir nehmen das zum Anlass Ihnen wieder die neue Ausgabe der „volldampf“ vorzustellen. Lenken Sie sich ab vom Finanzfrust und lassen sie sich mit dem Glacier-Express in die Schweizer Bergwelt entführen. Neuheitenvorstellungen, Tipps, Tricks und Allerlei Interessantes rund um die Groß- und Gartenbahn haben wir wieder zusammengetragen um Ihnen mit Ihrem Hobby etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen

In diesem Sinne
Ihr Redaktionsteam

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