Editorial der Ausgabe 2007/02
LGB oder was?
Wer hätte das noch vor einigen Monaten gedacht, dass in diesem Jahr die Gartenbahnsaison so früh und ausgiebig beginnen kann – wäre da nicht der Mangel an Schienen. Leider sind die Fachgeschäfte wie leergefegt und nur hier und da sind noch ein paar LGB-Teile zu haben. Der Schwarzmarkt boomt, die Garagenhändler verkaufen lustig an der Steuer vorbei und die Betreiber des E-bay-Auktionshauses kommen vor lachen nicht in den Schlaf. Alle schrottigen oder defekten Modelle, die sich nicht absetzen ließen, finden nun einen Abnehmer, und der zahlt horrende Preise – verrückte Modellbahnwelt!

Was ist nun mit dem angeschlagenen, Nürnberger Gartenbahnhersteller? Leider erfährt man sehr wenig bis gar nichts. Von der einen Pressemitteilung, in der es heißt, in Kürze gibt es eine Entscheidung, ist es nicht lang zur nächsten, worin es heißt: In Kürze erwarten wir eine Entscheidung – das ist schon fast ein Schildbürgerstreich, um die Konsumenten hin zu halten.

In den Foren wird lauthals diskutiert, dass es genügend Alternativen zur LGB gäbe. Der Gartenbahner, der gerne RhB-Modelle, Harz oder Deutsche Schmalspurbahnen fahren möchte, sieht jedoch keine Alternative in Qualität und Preis. Er wird kaum, statt der gewohnten LGB-Modelle auf Holzwagen, teure Handarbeitsmodell oder Kleinserienmodelle umsteigen. Ein billiges Hobby gibt es nicht, doch muss es noch bezahlbar bleiben. Ein Einsteiger weiß sowieso nicht, woher er solche Produkte bekommen soll, da die sehr wichtige Anfangspackung fehlt.

Fakt ist, dass Herrn Schöntag, der im Dezember den Zuschlag für die LGB-Betriebsstätte bekommen hat und somit der Besitzer des Betriebes an der Saganer Straße in Nürnberg wurde, ein Investor abgesprungen ist. Wie kann es sein, dass ein Insolvenzverwalter seine Arbeit als erledigt betrachtet, eine ganze Firma mit rund 120 Beschäftigten, von den Zulieferern und Händlern gar nicht zu sprechen, aufs Spiel setzt, obwohl die Finanzierung offensichtlich noch gar nicht in trockenen Tüchern war – sehr merkwürdig. Wer hat seine Finger noch im Spiel? Warum ist plötzlich LGB of Amerika, unter dem Deckmantel Wörle wieder im Gespräch, obwohl die Parteien vor einigen Wochen mit Nürnberg noch spinnefeind waren? Ob das alles so seine Richterlichkeit hat? Auf jeden Fall ist die ganze Aktion ein echter Krimi und somit ein Fall für den Staatsanwalt. Leider ist Deutschland das Eldorado mit unzähligen Schlupflöchern in allen möglichen Gesetzen, man muss nur wissen, wie man damit umgeht.

Verfolgt man die ganze Geschichte, wurde wohl die Insolvenz von langer Hand vorbereitet, allerhand Schäfchen ins trockene gebracht und dann mit dem Druck auf die Tränendrüse, das „Gehäuse“ LGB mit all den unangenehmen Dingen wie da sind: Mitarbeiter, Schulden und unangenehme Verbindungen der Insolvenz überlassen. Wir hoffen, dass es doch noch weiter geht. Der oben genannten „Fränkischen Lösung“, mit dem Erhalt des Standortes und aller Mitarbeiter, sperrt sich immer noch eine Bank.

Sehr geehrte Herren Manager und Bankdirektoren, viele gute Fachkräfte haben sich schon eine andere Arbeit gesucht, und zum 1. Mai gekündigt, da sie eine Familie ernähren müssen und nur so Arbeitslosengeld erhalten. Wer soll bei einer eventuellen Rettung noch produzieren? Ach ja, China ist ja nun das Maß aller Dinge. Vielleicht zögern Sie nun noch einige Wochen, was zum totalen Aus von LGB führen wird. Das Auflesen von Scherben ist wahrscheinlich viel billiger und offensichtlich auch das Ziel.

Aber der Name LGB bleibt geschützt, wir wollen doch die Ordnung wahren.

Ihr Redaktionsteam

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